Schreiben zu Naturgeräuschen: ein echter Entspanner

Wie klingt denn die Natur? Welche Assoziationen und Geschichten bringen wir zu Papier, wenn wir dem Sound eines Teiches lauschen? Auf meinem täglichen Rundgang um den Ententeich kam mir die Idee, dass auch die Geräusche der Natur eine super Inspiration zum Schreiben sein müssten, um damit unsere Corona geplagten Seelen ein wenig zu erden.  Gesagt, getan. Gabriele Rejschek-Wehmeyer, die meinen geliebten Montags-Schreibworkshop leitet, hat diese Inspiration in ihrem Workshop eingebaut und die Ergebnisse festgehalten. Ich selbst habe dabei die Welt der Naturgeräusche noch einmal ganz neu entdeckt: als sofortigen Entspanner.

„Morgenstimmung zwischen Vogelzwitschern und Entenlauten – mal laut, mal leise. Dem Plätschern des Wassers lauschen, durch feuchte Wiesen stapfen. Das Licht findet seinen Weg durch Nebelschwaden. Eine Kröte tönt. Die Unterhaltung der Enten nimmt Fahrt auf. Vögel erwachen, lassen Töne erklingen, die die Seele streicheln.“ So beschreibt Jutta ihre Lausch-Erlebnis: einem imaginären Spaziergang rund um den Ententeich, den sie spontan zu Papier bringt. Genauso, wie wir es beim Abendseiten-Schreiben immer machen: Wir lassen uns inspirieren, von Düften oder kreativen Impulsen und schreiben drauflos. Manchmal genügt ein einziges Wort, um das Kopfkino anzuwerfen. Und dann spult sich der Film ab.

Das Teichkonzert – die perfekte Improvisation

Hören – die gesamte Aufmerksamkeit den Geräuschen um uns herum schenken – ist ein Weg, unsere innere Bilderwelt lebendig werden zu lassen. Diesmal tauchen wir in die Geräusche der Natur am Ententeich in Bethel ein. Wir hören achtsam hin, einmal, zweimal, dreimal. Das Lauschen verändert sich, stellen wir fest, und entdecken jedes Mal Neues und einzelne Geräusche noch intensiver. Jede von uns hört dabei ihr eigenes Teichkonzert – eine Improvisation der Natur, die perfekter nicht sein könnte.

Die Natur macht es uns vor: Wenn wir unserem natürlichen Rhythmus folgen, kreativ und fehlerfroh, können Worte und Gefühle buchstäblich aus der Feder fließen. Ohne Schwere im Kopf oder Angst vor Bewertung schaffen wir Improvisationen, die perfekter nicht sein können. Die Montagsfrauen sind geübt darin und haben sich mit Begeisterung auf diese neue Schreiberfahrung in vertrauten Abendseiten-Runde eingelassen. Seit Corona treffen wir uns per Zoom und wissen inzwischen: achtsam Schreiben und einander zuhören, geht auch online.

Schreiben für den eigenen Anspruch

Für Bettina als Initiatorin unseres Sound-Experiments ist es diesmal anders als sonst, schreibt sie im 5-Minuten-Warmup, mit dem wir jede Schreibrunde beginnen. „Schreiben mit Anspruch! Und zwar nicht der von jemand anderem, sondern mein eigener. Das ist besonders schlimm. Der muss jetzt mal bei Seite treten, damit ich eintauchen kann ins Hier und Jetzt!“

Das gelingt ihr wie immer in dieser Runde. Die Perspektive verändert sich, die Hand gleitet über das Papier, Buchstaben reihen sich zu Wortketten aneinander, die einen Sinn ergeben – absichtslos. Das ist das Geheimnis jeder echten Improvisation.

Und so findet auch sie sich schnell am Ententeich wieder: „Die Sonne scheint, ich habe gerade gegessen und heute auch schon meinen Ententeich-Rundgang absolviert. Sehr schön war es. Wie immer gab es einige Menschen, die ebenfalls Sonne, Grün und Wasser genießen wollten. Es ist sehr schön, so einen Ort der Entspannung in der Nähe zu haben. Sehr froh bin ich, nicht direkt in der Stadt zu wohnen. Mir würde sehr viel fehlen. Und ob ich den Weg ins weitere Grün so oft auf mich nehmen würde, weiß ich nicht. Gut, dass ich es nicht muss.“

Zaungäste im Reich der Natur

Nichts müssen, sondern einfach nur genießen und entspannen. Das gelingt uns allen während der Schreibreise in die Klänge der Natur, was eine der schreibenden Frauen so beschreibt: „Einfach nur Lauschen. Wie erholsam! Unendlich entspannend. Sich selbst ganz rausnehmen. Töne, die die Seele streicheln. Mal aufgeregter durch das Schnattern sehr kommunikativer Gänse oder das Zwitschern munterer Vögel. Mal sprudelnd durch das Geräusch von fließendem Wasser, das über einen kleinen Wasserfall leise hinunter rauscht. Man wird ganz Ohr: Was wohl als nächstes kommt? Ich fühle mich ein bisschen als Voyeur der Tierwelt und hätte gerne das Zauberwort, das mich verstehen lässt, was hier gesprochen wird. ‚Mutabor‘ heißt es bei Kalif Storch. Ein Wort, das sich mir seit meiner Kindheit tief eingeprägt hat. Leider funktioniert es hier nicht. Aber egal, ich brauche das Schnattern und Zwitschern auch gar nicht wirklich zu verstehen. Letztlich verbindet uns der gemeinsame Moment mit schnattern, zwitschern und lauschen im Hier und Jetzt.“

Experiment gelungen!

Energie tanken mit Essenzen der Natur – das ist die Idee von schreibselig. Dazu nutzen wir meist ätherische Öle. Duftaffin wie inzwischen alle in der Gruppe sind, nehmen wir daher zu den Naturgeräuschen noch ein Öl als Impulsgeberin hinzu. Eine Teilnehmerin greift intuitiv zum Zedernholz und bringt nach dem Schnuppern am Fläschchen prompt ein Elfchen und ein Akrostichon zum Wort ‚Frieden‘ auf das Papier.

 

Frieden
am See
den Geräuschen lauschen
sich selbst zurück nehmen
befreit

 

Freiheit
Reichtum
Insel
Ententeich
Demut
Erleben
Natur

Ihre Kreativität sprudelt – wie die Fontäne im Teich. Dass ihr das Wort Frieden in den Sinn kommt, liegt wohl nicht nur an der Stimmung des Ententeichs. Das ätherische Öl der Atlas-Zeder stärkt das Bedürfnis nach geerdet sein und Frieden finden.

Flügelschläge in die Klanglandschaft

Da wir auch beim Schreiben immer unserem eigenen Rhythmus folgen, sind es für Cathleen vor allem die lebendigen Klänge des Teichs, die sie spontan beflügeln: „Es klingt nach Raum. Räumliche Klangtiefe. Menschliche Abwesenheit. Keine Stimmen, keine Fahrzeuge – nur Natur“, schreibt Cathleen, beflügelt vom Geräuscherleben in der Natur und dem … „Doch schon ganz schön was los hier! Konstantes Wasserrauschen, Vogelgezwitscher, Gurren der Tauben. Schritte der Gehenden auf dem Kies. Ein paar Enten rufen in der Ferne. Dann plötzlich, wie mittendrin in ihrem trompetenartigen Zwitschern – oder wie nennt man das bei Enten – Gackern, Quaken … ein Klang wie der Inbegriff von Trompeten. Auf geht’s, scheinen sie zu rufen: Der neue Tag bricht an! Sie breiten ihre Flügel aus und erheben sich in die Lüfte. Durchqueren mit ihren starken Flügelschlägen die Weite der Klanglandschaft.“

Und zum Wort Landschaft schreibt auch Cathleen ein Akrostichon:

Lustvolles

Aufbrechen in die

Natur

Dankbarkeit für all die

Schönheit und den wilden

Charme der Vielfalt aus Pflanzen und Tieren

Hoffnung auf Unbekanntes,

Abenteuer und

Frohsinn in der Weite und

Tiefe der Landschaft des Lebens…

Das Besondere am Schreiben in der Gruppe ist immer auch das ‚Miteinander‘, das Christine spontan aufgreift. In ihren Improvisationen erinnert es sie und uns an die vertraute Gemeinschaft der Natur, in der wir dann gemeinsam frische Energie und gute Laune tanken.

Miteinander

Es ist 7:00 Uhr am Ententeich

Anfänglich zaghafte Stimmen

Einfach nur vorsichtig

Erwachend

Ins Leben rufend

Signale sendend in das noch stille Umfeld In den beginnenden Morgen Vorsichtig, ja fast zaghaft fragend Hallo, wie geht es euch?

Lauter werdend – aufgefangen in der vertrauten Gemeinschaft der lebhaften Natur

Sich dann voller Freude tummeln in der erfrischenden Quelle des Lebens

Ein fröhliches Hallo in den Tag

Ein Gegacker

Ein Gequake

Meine Güte, was ist denn hier los?

Auf geht es in den neuen Tag

Voller Leben, voller Freude

Enten und Vögel geben sich ein fröhliches Stelldichein

ein Morgenkonzert am Teich, wie es lebendiger und schöner nicht sein kann

Morgenspaziergang meiner Sinne

„So ein lautes Geschnatter und ich dachte schon, es ist noch ruhig hier am Teich.

Weit gefehlt – schon präsentieren die Enten mit lauter Stimme unüberhörbar ihre Daseinsberechtigung. Leicht, zaghaft und hell dagegen untermalen früh wach geworden die Vögel den blechernen Entengesang. Ihr Gezwitscher – so wohltuend und mein Herz erfreuend mit ihrem zarten und fröhlichen Dialog. Und ich tauche weiter ein in diesen wunderbaren Morgen. Herrlich, dieses Plätschern des Wassers, ein feiner Wassernebel hebt sich wie ein Schleier und legt sich belebend auf mein Gesicht…

Wohltuende Frische! Spontan halte ich meine Hände unter das fließende Nass und nehme reich beschenkt neue Energie für den kommenden Tag mit nach Hause.“

Anmerkung: Die Form des Schreibens in schreibselig-Workshops ist völlig frei. Impulse und Techniken aus dem kreativen Schreiben sind hilfreiche Übungen, bei denen wir uns allerdings nicht an strenge Regeln halten. Wenn Ihr wissen wollte, wie man ein Elfchen oder ein Akrostichon aufbaut oder wie Schreiben mit Düften funktioniert, lest gern weiter auf: www.schreibselig.de.

Vielleicht lauscht auch Ihr jetzt einmal der Klangwelt des Ententeichs:

Schreibt gerne dazu und schickt Euren Text an: infobettina-dempwolf.de

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